Joost de Cock ist in der Hobbyschneiderszene vor allem durch seine Hompage Make My Pattern bekannt. Dort bietet er ein Tool für Casualwear an, dass durch Eingabe der eigenen Körpermaße Schnittmuster für Hosen, Boxershort, Krawatte und (bald auch) einen Sweater automatisch erstellt. In seinem Blog gibt er wertvolle Tips zu Nähtechniken und auch sein Youtube-Chanel ist gefüllt mit Nähtutorials.

Nie wieder gekaufte Kleidung!

Joost hatte also sehr gute Vorkenntnisse und fragte mich vor einigen Wochen, ob ich ihm zeigen könnte, wie man einen Schnitt für eine Sakko erstellt und wie man das Sakko dann professionell und hochwertig verarbeitet. Er würde dafür aus Antwerpen für eine Woche nach Köln kommen und sich die Zeit dafür nehmen.
Der Grund für dieses Vorhaben sei seine eigene Hochzeit.
Er hatte vor einigen Jahren den Vorsatz gefasst, keine Kleidung mehr zu kaufen, und das geht bei ihm sogar bis zur Unterwäsche. Ein Bräutigam braucht aber einen Anzug und den möchte er ebenfalls selber schneidern. Ich fand die Idee klasse und willigte sofort ein. Den Stoff haben wir über Scabal bezogen. Einen, der in mehreren Farben vorhanden ist, sodass er zunächst eine Probejacke machen und diese später noch einmal in der Farbe für den eigentlichen Hochzeitsanzug reproduzieren konnte.

Und los geht’s…

Montag – gegen Mittag –  erschien Joost und wir fingen alsbald an. Ich vermaß ihn und wir erstellten einen Schnitt . In Windeseile und mit vereinten Kräften nähten wir eine Probejacke aus Nessel und passten diese an. Joost misst stolze 2 Meter und ich hatte mit meinen 171cm schwer zu kämpfen, die Schulter ohne große Verrenkungen abzustecken. Die wenigen Änderungen übertrugen wir auf den Schnitt und schnitten gleich zu. Joost erstellte in der Zwischenzeit den Schnitt für die Einlagen. Nach einem entspannten Abendessen pikierten wir in gemütlicher Abendatmosphäre jeweils eine Seite der Einlagen, sodass wir am nächsten Morgen bereits mit dem Unterschlagen und pikieren der Reversseiten fortfahren konnten.

Nach einem langen Tag - Pikieren auf dem Sofa
Nach einem langen Tag – Pikieren auf dem Sofa

Wir teilten uns die Arbeit gut auf. Die Taschen konnten wir parallel einarbeiten und so kam es noch am selben Tag zur zweiten Anprobe, die glücklicherweise keine Änderungen mehr benötigte….

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So vergingen die Tage mit sehr viel Arbeit. Zugegeben, Innentaschen fürs Futter haben wir uns erspart und der Futterschnitt war sehr simpel. Hier war keine Dekoration möglich, da die Zeit gegen uns spielte. Der Workshop fand komplett auf Englisch statt und Joost benannte den Workshop ab einem gewissen Zeitpunkt zum Sweatshop um. Dass diese Woche sehr gefüllt sein würde, war ihm allerdings klar und die Motivation riss bis zum letzten Tag auch nicht ab.

Verarbeitung der vorderen Kanten
Verarbeitung der vorderen Kanten
Letzten Schritte - Armfutter wird einstaffiert
Letzte Schritte – Armfutter wird einstaffiert

Es entstand step-by-step ein Jacke, die sich am Ende sehen lassen konnte. Das Einzige, was wir nicht mehr geschafft haben, waren Knopflöcher und Knöpfe. Das ist für Joost aber kein Problem, die bekommt er natürlich selber noch gestaltet.

Alles in allem war die Woche ein reines Vergnügen für beide und Joost konnte mit einer fast fertigen Jacke und einem ausgefeilten Schnitt mit allen Einzelteilen nach Hause fahren.

Bis auf die Knöpfe - Fertig!
Bis auf die Knöpfe – Fertig!