Maßschneider

Es hat sich so einiges getan in letzter Zeit. Ich trage nun offiziell den Titel des Maßschneiders und baue derzeit mein eigenes Atelier auf. Ihr habt schon mein neues Logo auf Facebook gesehen und heute bin ich aus Frankfurt zurückgekommen und habe dort einen außergewöhnlichen Zuschneidetisch in Auftrag gegeben. Zeit für einen kurzen Blick zurück und einen langen Blick auf die Zukunft. Der aktuelle ERGO Blogaward ist der perfekte Anlass diesen Artikel zu verfassen.

Update: Ich bin ins Finale gekommen! Bitte stimmt für mich ab und teilt den Link: http://bit.ly/voting-sebastian-hoofs

 

Der Blick zurück: Seit 14 Jahren stoffsüchtig

Im Frühjahr 2001 geriet mir die Nähmaschine meiner Oma in die Finger. Ich habe sie als kleiner Junge aus technischem Interesse auseinander genommen. So viele sich bewegende Zahnräder faszinierten mich. Allerdings habe ich bis heute das Wehklagen meiner Großmutter in den Ohren, die tagelang tüfteln musste, damit die Maschine wieder vorwärts nähen konnte …

Für mich war aber klar, diese Maschine muss benutzt werden. So begann ich damit, die modisch viel zu lang gewordenen T-Shirts auf aktuelle Länge zu kürzen.  Damit war der Grundstein gelegt und ich wollte mit aller Gewalt lernen ein Hemd zu nähen. So wurde der Stoffladen um die Ecke ganz schnell zu meinem zweiten Zuhause. Zu meinem großen Glück wurde in dem Geschäft auch genäht und geschneidert  und so verbrachte ich unzählige Stunden dort bei den Profis und online bei den Hobbyschneidern.

Wie auch bei der Nähmaschine wollte ich es ganz genau wissen und deckte mich nach und nach mit Fachliteratur, sowie Zeitschriften bis zurück in die 30er Jahre ein. Dies ermöglichte mir die Entwicklung des Schnittsystems im Selbststudium nachzuvollziehen. Dadurch lernte ich schnell, dass in der Schneiderei nicht nur Nähen wichtig ist, sondern vor allem der Zuschnitt eine ganz entscheidende Rolle für die perfekte Passform spielt.

Weder die Pubertät, noch der Abi-Stress, noch die – durch meine Eltern gelenkte – vernünftige Ausbildung zum Fremdsprachenkorrespondenten, haben mich von meinem Weg zur Maßschneiderei abbringen können. Mit meinen alten Delgato-Blog hab ich meine Arbeiten für mich und Freunde präsentiert und immer wieder positive Rückmeldungen bekommen. Dafür bin euch sehr dankbar! Diese Unterstützung hat mich auch durch eine Zeit getragen, in der ich körperlich sehr schwach war und ich mir ernsthaft Gedanken machen musste, was ich in meinem Leben erreichen will und kann. Und so sehr ich Sprachen und insbesondere Spanisch liebe, die Arbeit als Dolmetscher war es nicht. Sondern meine Leidenschaft: Die Maßschneiderei!

Die Entscheidung stand fest und es folgten Bewerbungen bei den besten Maßschneidern in Deutschland. Mit Carlo Jösch fand ich einen Ausbilder, der mich von der ersten Stunde an auf Augenhöhe hat mitarbeiten lassen. Damit hatte ich bereits 20 Monate später den Titel „Maßschneider im Bereich Herren“ in der Tasche.  Derzeit stecke ich mitten in den Vorbereitungen die Türen meines eigenen Ateliers zu öffnen, um meinen ganz persönlichen Weg weiter zu gehen.

Mein Weg: Auf eigenen Beinen als Maßschneider

Ich habe den Wunsch und das Ziel das traditionsreiche Handwerk der Maßschneiderei in das 21. Jahrhundert zu überführen. Auch wenn mir noch nicht bewusst ist, wie dieser Weg aussehen wird, so ist mir doch klar, dass ich diesen Weg unabhängig gehen werde. Ich möchte keine Kompromisse in meinen Überzeugungen machen und doch immer offen sein für neue Kontakte und Lösungen. Da die Maßschneiderei für mich mehr als ein Beruf ist, habe ich mich dazu entschieden, das Atelier in meinem Wohnhaus einzurichten. Das Haus hat eine alte Tradition und war schon in den 60er und 70er Jahren die Werkstatt von meiner Urgroßmutter, die ebenfalls Herrenschneiderin war. Meine zukünftige Kunden und Auszubildenden sollen sich hier pudelwohl fühlen. Deswegen renovieren wir gerade grundlegend und gestalten ein modernes Atelier. Seid gespannt – die Fotos folgen sobald alles fertig ist.

Der Blick nach vorne: Aufbruch und Umbruch

Meinen Kunden möchte ich ein guter Partner sein und mit ehrlicher und guter Beratung  sowie solider handwerklicher Arbeit zur Seite stehen.  Ein wichtiges Anliegen von mir ist aber auch die Vermittlung und Weitergabe meines Fachwissens. Dazu gehört für mich selbstverständlich, dass ich demnächst Auszubildende ausbilden werde aber auch das Co-Working mit ambitionierten Hobby-Schneidern weiter ausbaue.

Ich freue mich, wenn Ihr mich weiterhin auf meinem Weg begleitet und mit etwas Glück und eurer Unterstützung kann ich bei dem Voting etwas Geld für die Renovierung gewinnen.

Hier könnt Ihr abstimmen: http://bit.ly/voting-sebastian-hoofs

Euer Sebastian