Am ersten Oktober Wochenende war der Bundeskongress der Maßschneider in Kiel. Es war wunderbar und auf Facebook sowie Instagram hatte ich schon live berichtet: Wir haben Silber nach Köln geholt. Letzte Woche ist der offizielle Bericht in der Rundschau erschienen und auch ich möchte euch meine Erfahrungen vom Kongress berichten.

Der Kongress: Überhaupt nicht spießig

Bundeskongress des Maßschneider-Handwerks – meine Erwartung war eine verstaubte Verbandstagung. Mit einem harten Wettkampf und kritischen Blicken auf die Kleidung des Anderen. Aber es war das Gegenteil und so kam es auch zu diesem spontanen Statement bei der Preisverleihung:

„Ich hab es mir ehrlich gesagt sehr spießig vorgestellt. Das ist es aber überhaupt nicht.“

Es war ein fröhliches und freundliches Treffen von Maßschneidern und Auszubildenden aus ganz Deutschland. Es gab Fachvorträge, Modenschauen und einen inspirierenden Austausch zwischen den Kollegen.

Das Programm war abwechslungsreich und das erste Highlight gab es gleich am Freitag: Eine Hafenrundfahrt mit Dinner auf einem historischem Schaufelrad-Dampfer. Am Samstagabend war die Öffentlichkeit zur Langen Nacht der Mode eingeladen und wir konnten mit Familie und Freunden bis in die Morgenstunden feiern. Nach einer Haute-Couture Modenschau – eroberten die Azubis den Laufsteg und verwandelten ihn zu einer Tanzfläche.

Wir sind voller Motivation zurück nach Köln gefahren und es ist sicher: In zwei Jahren sind wir wieder dabei!

Euer Sebastian


Hier einige Bilder von uns auf dem Kongress und die Beschreibung von unserem Wettbewerbsmodell. Alle Fotos gibt es beim Bundesverband der Maßschneider. Reinschauen lohnt sich.

Dunkelblauer Herbstanzug Kreidestreifen

September 2016

Der Kunde & seine Wünsche

Der Kunde ist schlank, 185 cm groß und hat einen Rundrücken, vorgeschobene Leibpartie, Hohlkreuz sowie hohe Schultern. Er ist Social-Media-Manager in einem Versicherungskonzern und mag Swing-Musik. Der Maßanzug soll ihm im Büro einen seriösen und trotzdem individuellen Auftritt ermöglichen. In der Freizeit soll er locker kombinierbar sein und Leichtigkeit ausstrahlen.

Die Umsetzung & Besonderheiten

Wir entschieden uns für ein einreihiges Spitzfasson, das auf zwei Knöpfen schließt. Die Jacke ist ein wenig kürzer gehalten und sehr körpernah gearbeitet, um den klassischen Schnitt aufzulockern. Der Rücken ist stark tailliert und hat eine konkave Form. Dieser Eindruck wird durch die beiden Seitenschlitze weiter verstärkt und ist typisch für einen Maßanzug aus unserem Atelier.

Den Ärmel schmückt eine ausgeprägte Kugel, die gleichzeitig in der Seitenansicht den Rundrücken versteckt. Die Achsel ist kaum gepolstert, um die hohen Schultern nicht zusätzlich zu betonen. Die Ärmelschlitze sind auffällig und alternativ gestaltet. Das Revers ziert ein Milanese Knopfloch.

Die Bundfalten-Hose ist bequem und auch ohne Sakko ein Hingucker. Der breite Bund wird mit zwei Knöpfen zur Seitennaht geschlossen und erzeugt so eine leichte Vintage-Optik. Die Vorderhose ist dennoch schmal gehalten und trägt nicht zu stark auf.

Beim Oberstoff handelt es sich um einen dunkelblauen Kreidestreifen/Flanell aus dem Hause Scabal (360g, reine Schurwolle). Das weinrote Futter im Paisley Muster von Huddersfield fine worsted bildet einen farblichen Kontrast zum Oberstoff (110g, Viskose).